Tückische Erkrankung: Parodontitis

Eine Entzündung des Zahnbetts, die Parodontitis, ist tückisch und gefährlich. Viele Millionen leiden hierzulande daran. Wie die Erkrankung erkannt werden kann und was dagegen zu tun ist.

Die Verursacher von Parodontitis (früher oft Parodontose genannt) sind Bakterien, welche sich auf Zahnbelag ansiedeln. Diese Bakterien vermehren sich und scheiden aggressive Stoffwechselprodukte aus. Diese Giftstoffe können den ersten Vorboten der Parodontitis auslösen, nämlich eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis).

Eine solche Zahnfleischentzündung verläuft meist schmerzlos und äußert sich durch Zahnfleischbluten oder auch verfärbtes Zahnfleisch. Hier kommt das Tückische ins Spiel. Denn viele Menschen denken sich beim Zahnfleischbluten nichts. Tritt es jedoch häufiger auf, ist dies durchaus ein Warnsignal und sollte Anlass für einen Zahnarztbesuch sein. Wenn die Entzündung dann vom Zahnfleisch bis zum Zahnbett vorgedrungen ist, liegt eine Parodontitis vor.

Risikofaktoren: Rauchen und mangelhafte Mundhygiene

Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren für die Parodontitis. Dazu zählt die unzureichende Zahnpflege. So können sich schädliche Bakterien beispielsweise auf Zahnstein schnell ausbreiten und eine Parodontitis begünstigen. Auch Rauchen ist ein wesentlicher Auslöser.

Parodontitis ist deshalb auch besonders gefährlich, weil es lange nicht weh tut. Im Endstadium kann das Zahnbett so stark angegriffen sein kann, dass sich Zähne lockern und verloren gehen können.

Es gibt auch Wechselwirkungen mit anderen, schwerwiegenden Erkrankungen. So besteht ein Zusammenhang zwischen Parodontitis und Diabetes. Beide Erkrankungen beeinflussen sich gegenseitig und verschlimmern die Erkrankung.

Ebenso gibt es Studien, die zeigen, dass eine Parodontitis mitverantwortlich für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sein kann. Denn die natürliche Barriere zwischen Zahn und Zahnfleisch wird durch die Parodontitis so zerstört, dass die schädlichen Bakterien diesen „Schutzwall“ überwinden und in die Blutbahn gelangen. Darüber gelangen sie auch bis zum Herzen.

Beseitigung der Bakterien

Für die Behandlung der Parodontitis stehen ja nach Schweregrade verschiedene Wege zur Verfügung. So können die von Bakterien besiedelten Zahnfleischtaschen mit Handinstrumenten oder maschinell betriebenen Geräten wie etwa Ultraschall gereinigt werden. Bei sehr tiefen Zahnfleischtaschen kann es notwendig sein, die Zahnfleischränder von Zahn und Knochen zu lösen und anschließend die Reinigung vorzunehmen bzw. erkranktes Gewebe zu entfernen.

Vorbeugen ist die beste Medizin

Damit es gar nicht zu einer Parodontitis kommt, ist eine gründliche Zahnpflege das A und O. Dabei ist das alleinige Benutzen einer Zahnbürste nicht ausreichend. Gerade die Zahnzwischenräume sind sensibles Terrain und bedürfen der Reinigung mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten. Nur so verschwindet auch der Zahnbelag zwischen den Zähnen oder am Zahnfleischrand. Weitere Hilfsmittel gegen die Vermehrung von schädlichen Bakterien sind Mundspüllösungen oder auch Zungenschaber.

„Es mag vielleicht etwas desillusionierend klingen, aber selbst die beste häusliche Mundhygiene ist nicht gründlich genug“, erläutert Zahnarzt Wolfgang Weidinger aus Berlin-Charlottenburg. Denn nur eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung (PZR) in der Zahnarztpraxis entfernt alle harten und weichen Beläge. Deshalb sollte eine PZR ebenso wie die zahnärztlichen Kontrolltermine zur Routine werden. Eine solche professionelle Zahnreinigung ist effektiver Karies- und Parodontitis-Schutz. Die Häufigkeit einer PZR hängt vom individuellen Zustand des Gebisses und persönlichen Risikofaktoren ab.